Der Tennessee Walker
Das heutige Tennessee Walking Horse wird hauptsächlich nach zwei Kriterien gezüchtet: zum einem auf seine Gangveranlagung und zum anderen auf sein Interieur hin. Aus diesem Grund findet man heute sehr unterschiedliche Pferde bei dieser Rasse, alle Farben sind vertreten, das Stockmaß reicht von 145 cm bis hin zu 165 cm, der Gebäudetyp kann von elegant, einem englischen Vollblut entsprechend, bis hin zum Typ eines Quarter Horse reichen. Einen Walker kann man anhand seines Exterieurs nur schwer erkennen. Im Allgemeinen hat der Tennessee Walker einen starken Knochenbau, eine tiefe Brust und kurze Röhrbeine.
Die Hinterhand ist stärker angewinkelt als bei den meisten trabenden Rassen. Seine mittelgroßen Hufe sind von sehr guter Qualität.
Interieur
Gerne werden die Walker als „Gentlemen“ unter den Pferden bezeichnt.
Zuchtziel des Tennessee Walking Horse ist ein sanftmütiges und menschenbezogenes Pferd, das sich leicht führen lässt und sich seinem Menschen schnell anschließt. Die Pferde sind nervenstark und besitzen eine ordentliche Portion Neugier. Diese Kombination machen sie zu einem idealen Partner. Tennessee Walker waren den ganzen Tag im Einsatz in den Plantagen und auf dem Feld. Am Sonntag zogen sie noch die Kutsche zur Kirche oder zu den Nachbarn. Daher bevorzugte man besonders gutmütige, ausdauernde und menschenbezogene Tiere. In einen Herde von Tennessee Walkern kann man sich als Mensch bedenkenlos hineinstellen ohne Angst haben zu müssen umgerannt oder getreten zu werden. Die Pferde sind immer freundlich und bemüht dem Menschen zu gefallen. Diese Wesensfestigkeit macht den Walker zum idealen Freizeitpferd, mit dem man jeder Geländesituation gewachsen ist. Diese soll nicht heißen, dass der Tennessee Walker das Pferd für jeden Anfänger ist, auch ein Walker kann durch falschen Umgang verdorben werden und seine angeborenen Vorzüge vergessen. Genau wie jedes andere Pferd muss er gefördert werden um seine Potential voll zu entwickeln, aber bei einem Walker ist es vielleicht ein bisschen einfacher als bei manch anderem Pferd.


Verwendung
Der Tennessee Walker ist ein auf Vielseitigkeit gezogenes Reitpferd.
Es wäre sicherlich falsch ihn mit den Spezialisten bestimmter Disziplinen zu vergleichen. So wird eine Walker Mühe haben über einen 160 cm hohen Doppelochser zu gelangen, aber einen L-Springparcours dürfte ihn nicht vor all zu große Probleme stellen. Auch im Bereich der klassischen Dressur kann er durchaus mithalten, nur wird er Schwierigkeiten haben Lektionen durchzuführen, die im Trab geritten werden, weil er diese Gangart oft nicht beherrscht. Die Internationale Gangpferdevereinigung trägt dieser Gegebenheit aber Rechnung und bietet spezielle Prüfungen für Gangpferde an, auch für Tennessee Walker. Wer also aus der Turnierreiterei kommt, kann, mit einigen Abstrichen, sicherlich in einem Walker seinen Pferdepartner fürs Leben finden.
Wer sein Glück in der Westernreiterei gefunden hat, muss nicht immer ein Quarter Horse reiten. Viele der in Europa beheimateten Tennessee Walker werden western geritten. Einen Trailparcours mit einem Walker gemeistert stellt so manches Quarter Horse in den Schatten. Eine Reining Prüfung kann man sicher problemlos mitreiten, aber wegen der fehlenden tiefen Kopfhaltung wird man einige Punktabzüge hinnehmen müssen, denn der Walker nickt halt mit seinem Kopf im Walk. Unter den Tennessee Walkern gibt es auch einige Exemplare, die das Cow cutting perfekt beherrschen.
In Deutschland werden die meisten Walker sicher als Freizeitpferde gehalten, hierbei kommen dem Reiter die beiden Hauptzuchtkriterien voll zur Geltung. Er hat im Gelände ein ruhiges ausgeglichenes Pferd, mit dem er jeder Situation gewachsen ist und er hat ein bequem zu reitendes Pferd auf dem der problemlos Stunde um Stunde im Sattel verbringen und dabei große Entfernungen zurück legen kann. In diesem Zusammenhang hört man häufiger die Frage ob man, wenn man einen Tennessee Walker reitet überhaupt noch mit anderen Nicht-Gangpferden einen Ausritt machen kann. Na klar, - erstens können alle Pferde ja nun Schritt gehen und wenn der Walker anfängt seinen rassetypischen Gang zu laufen muss das „normale“ Pferd halt traben, es kommt dann nur auf die Kondition von Pferd und Reiter an wie lange sie traben können.
Haltung
Der Tennessee Walker kommt eigentlich aus den Südstaaten der USA, dies bedeutet aber nicht, dass er in unseren Breiten nur in eine Decke gehüllt überleben kann. Die Rasse eignet sich hervorragend für eine Offenstallhaltung, auch im Winter. Die Pferde machen ein gutes Winterfell und überstehen strenge Frostgrade ohne Schaden. Matsch und Schlamm wie man ihn in den Wintermonaten in Deutschland öfter antrifft, schaden den Walkerhufen in keiner Weise, Mauke ist bei diesen Pferden kaum ein Problem. An ihr Futter stellen die Tennessee Walker keine besonderen Ansprüche, Heu reichlich und Kraftfutter je nach Beanspruchung und Temperatur. Im Sommer ist der Weidegang unproblematisch, Hufrehe findet man sehr selten.
Beim Hufbeschlag gibt es wie bei jeder Pferderasse unterschiedliche Meinungen. Viele Walker in Deutschland laufen barfuss, nur für extreme Beanspruchung greifen einige Besitzer zu Eisen oder Hufschuhen. Beim Beschlag mit Eisen muss bedacht werden, dass der Walker durch seinen starken Overstride dazu neigt sich in die Eisen der Vorderhufe zu treten, dies ist besonderes ein Problem, wenn die Eisen nach hinten überstehen. Prinzipiell muss beim Schneiden der Hufe darauf geachtet werden, dass die Hufe nicht zu steil gestellt werden, von Natur aus läuft sich der Walker durch seinen raumgreifenden Gang die Hufe sehr flach ab. Wenn die Hufe dann zu steil gestellt werden kann das Pferd nicht mehr richtig Untertreten. Leider gibt es in Deutschland nicht all zu viele Hufschmiede, die dies beim Ausschneiden und Beschlagen von Tennessee Walkern beachten.


Outfit
„Ein jeder wie er mag“, so kann man es am besten beschreiben. Zum Reiten eines Tennessee Walker benötigt man keine spezielle Ausrüstung.
Dem Pferd ist es ganz egal, ob sie ihm einen englischen oder einen Westernsattel auf den Rücken legen - es ist reine Geschmacksache.
Bei den Gebissen und Trensen gehen die Meinungen genauso weit auseinander wie das Angebot. Für welches Gebiss man sich auch immer entscheidet, hängt wie bei allen Rassen zum einen vom Ausbildungsstand des Pferdes ab und noch viel mehr vom Ausbildungsstand des Reiters.
Anhänger des gebisslosen Reitens werden bei einem Pferd dieser Rasse ebenfalls keine Schwierigkeiten haben.










