Wie man die Gänge voneinander unterscheidet oder was zeigt dieses Pferd gerade für einen Gang?
Körpersprache
Bisher haben wir auf die Beinbewegung und die Huffolge geachtet. Nun wenden wir unsere Aufmerksamkeit dem ganzen Körper zu. Man kann sehr viel über die Gangart eines Pferdes sagen, wenn man auf die Art und Weise achtet, wie es seinen Kopf, den Hals und die Hinterhand bewegt.
Diagonale Gänge
Der Trot: Im Trot (Trab) nickt das Pferd nicht mit dem Kopf und seine Hinterhand bewegt sich gleichmäßig, so wie sich sein ganzer Körper mit der Gangbewegung hebt und senkt. Sein Schweif schwingt ein wenig von einer Seite auf die andere, so wie sein Körper in einem entspannten Trab schwingt. Bei einem guten Trab tritt das Pferd über und setzt seinen Hinterhuf in den Abdruck des vorderen Hufs der gleichen Seite.
Der Foxtrot: Beim Foxtrot nickt das Pferd mit Kopf und Hals im Gleichklang mit der Schulterbewegung und der Schrittlänge seiner Hinterbeine. Die Hinterhand bewegt sich im Rhythmus seines Gangs auf und nieder. Das Pferd macht vorne einen langen, raumgreifenden und hinten einen schnelleren, höheren Schritt, der das Fesselgelenk des Hinterfußes stark beugt. Der Hinterhuf setzt mit einer kurzen Verzögerung nach dem diagonalen vorderen Fuß auf. Das Pferdtritt mit dem Hinterbein die Spur des Vorderfußes.
Der „Foxwalk”: Wie schon gesagt, ist er dem Foxtrot sehr ähnlich, nur langsamer geritten. Das Pferd wird fast immer mit seinem Hinterbeinen in die Spur der Vorderbeine treten. Höchstgeschwindigkeit ist wahrscheinlich nicht mehr als sechs Meilen in der Stunde.
Laterale Gänge
Der Pass: Beim richtigen Pass schwingt das Pferd seinen Kopf und Hals von Seite zu Seite ,weg vom vortretenden Vorderbein. Es schwingt bei diesem Gang ebenfalls seine Hinterhand von Seite zu Seite. Im Pass gibt es keine Auf- und Abbewegung von Kopf oder Kruppe, aber sein ganzer Körper scheint sich in einer Bewegung ähnlich dem Trot zu heben und zu senken. In diesem Tempo wird das Pferd normalerweise mit seinen Hinterbeinen über die Spur der Vorderbeine treten.
Der Rennpass: Beim Rennpass schwingt das Pferd gewöhnlich mit dem Kopf von Seite zu Seite, ohne die Kruppe auf und ab zu bewegen. Sein Körper bleibt relativ ruhig ohne die Auf- und Abbewegung im Pass oder Trot. Im Rennpass tritt das Pferd gewöhnlich gut über.
Der „Saddle“ Rack: Bei dieser Gangart gibt es kein Kopfnicken, aber die Hinterhand ist sehr aktiv in einer Auf- und Abbewegung. Die Schultern bewegen sich ebenfalls auf und ab und erzeugen damit die hohe Aktion der Vorderbeine. Das Pferd zeigt einen ziemlich kurzen Schritt und tritt wenig über die Spur seiner Vorderbeine.
Der Rack: Bei dieser Gangart gibt es kein Kopfnicken, aber die Schultern sowie Hinterhand sind sehr aktiv. Das Pferd scheint in der Vorwärtsbewegung von einem Fuß auf den anderen zu springen. Bei diesem Gang tritt das Pferd mehr über als im Saddle-Rack, aber nicht so sehr wie im RunningWalk.
Viertaktgänge
Der Walk: Beim normalen Walk (Schritt) nickt das Pferd mit Kopf und Hals mit der Bewegung der Schulter und dem Dehnen und Zusammenziehen der Rückenmuskeln. Die Kruppe bleibt ruhig ohne Auf und Ab. Das Pferd tritt mit dem Hinterbein der gleichen Seite etwas über, der Abstand variiert mit dem Körperbau und dem Tempo des Pferdes.
Der Flat Walk: Beim Flat Walk ist das Kopfnicken wahrnehmbar schneller als im normalen Schritt. Die wellenförmige Bewegung des normalen Schritts nimmt mit zunehmendem Tempo ab, macht den Rücken ruhiger. Die Kruppe bleibt ruhig ohne Auf- und Abbewegungen und der Übertritt ist stärker als beim normalen Schritt. Nochmals, Tempo und Körperbau bestimmen die Stärke des Übertretens. Der Flat Walk ist lediglich eine schnellere, aktivere Version des normalen Schritts.
Der Running Walk: Das Kopfnicken wird bei diesem schnellsten Walk beibehalten. Die Kruppe bleibt ruhig und die Hinterbeine machen lange, raumgreifende Schritte, anders als die höhere, schnellere Bewegung im Foxtrot. Beim Running Walk sieht man kein starkes Beugen in den Sprunggelenken und die Vorderbeine machen einen weniger raumgreifenden Schritt als beim Foxtrot. Der Übertritt nimmt zu, so dass das Pferd oft weit über die Spur seiner Vorderhufe tritt.
Wie fühlt es sich an? Wenn man die Mechanik, den Klang und das Aussehen einer Gangart kennt, hilft das trotzdem nicht viel, wenn man einmal im Sattel sitzt. Auch wenn Sie auch in einer verspiegelten Halle reiten, unterstützt von einer Person mit guten Grundkenntnissen, oder wenn Sie Ihre Arbeit ständig mit einem Videorecorder überprüfen, müssen Sie wissen, wie sich jeder Gang beim Reiten anfühlt. Nur wenn Sie wissen, dass das, was Sie fühlen nicht der „richtige“ Gang ist, ist es Ihnen möglich den „falschen“ Gang zu korrigieren. Hier beginnt der Weg, die Gänge im Sattel zu fühlen.
Der Trot: Mal angenommen, Sie kennen das Gefühl, doch falls Sie es vergessen haben, der Trot ist ein Gang, der vom recht komfortablen Jog bis zum sehr starken Trab, der ihre „Zähne erschüttert“, reichen kann, es sei denn, Sie haben gelernt, ihn auszusitzen. Die Bewegung im Trot ist ein Auf- und Abschwingen, so wie das Pferd von einem diagonalen Beinpaar auf das andere springt.
Der Pass: Dieser Gang ist genauso unbequem wie der Trot, diesmal wird der Reiter von einer Seite auf die andere geworfen, so wie das Pferd von einem lateralen Beinpaar auf das andere springt. Das ist nicht leicht zu sitzen, aber Sie können es schaffen, wenn Sie mutig sind (Islandpferde gehen einen fliegenden Pass, „FlugSkeith“ genannt, der so schnell ist, dass er nicht mehr unbequem ist. Diesen Gang gibt es nicht bei anderen Gangpferdezüchtungen).
Der Rennpass: Dieser Gang vermittelt ein subtiles Von-Seite-zu-Seite-Schwingen, statt des Rüttelns im richtigen Pass. Diese schaukelnde Bewegung lässt manche Reiter seekrank werden, aber die Gangart ist ziemlich flüssig zu reiten.
Der Foxtrot: Dieser Gang bewegt den Reiter vor und zurück im Sattel mit einer deutlichen Schubbewegung. Die Hinterhand ist aktiv, und bewegt sich in einer Art „Stotterschritt“ und bei manchen Pferden fühlen Sie einen Schub, der von den Schultern in einer rollenden Bewegung ausgeht. Bei diesem Gang gibt es kein Gefühl des Schaukelns von einer Seite zur anderen.
Der „Foxwalk”: Das ist die ruhigere Version des Foxtrot mit geringerer Schubbewegung und einem weniger deutlichen „Stotterschritt“. Wie schon gesagt, gibt es bei diesem Gang keine Bewegung von einer Seite auf die andere und weniger Schwung in der Hinterhand wie beim richtigen Foxtrot.
Der Running Walk: Dieser Gang bewegt den Reiter auch vor und zurück im Sattel, kombiniert mit einer rollenden Bewegung in den Schultern. Jedoch gibt es hier keine wahrnehmbare Auf- und Abbewegung in der Hinterhand, nur ein treibendes Gefühl, wenn die Hinterhand das Pferd vorwärtstößt. Das Gefühl auf dem Pferd ähnelt dem Gefühl des Fahrens auf einem Schaufelraddampfer.
Der „Saddle“ Rack: Die Bewegungbei diesem Gang ist ein leichtes Von-Seite-zu-Seite-Schwingen, aber dashauptsächliche Gefühl ist die schnelleunabhängige Beinbewegung. Der Reitersitzt im ruhigen Zentrum, währenddie Schultern und die Hinterhand sichschnell auf- und abbewegen.
Der Rack: Das Gefühl bei diesem Gang und dem „Saddle“ ist sehr ähnlich, obwohl das ein schnellerer raumgreifenderer Gang ist. Da ist mehr ein Gefühl, als ob das Pferd vorne „eineLeiter erklettert“ und die Hinterhand fühlt sich sehr aktiv an. Wieder sitzt der Reiter in der ruhigen Mitte, während um ihn herum alles aktiv ist.
Walk und Flatwalk: Diese zwei Gänge fühlen sich fast gleich an. Im normalen Schritt geht der Reiter von vorn nach hinten im Sattel mit, wobei sich kein Teil des Pferdes aktiver anfühlt als andere. Man fühlt jede Fußfolge deutlich und gleichmäßig, so wie sich das Pferd bei diesem Gang bewegt. Im Flat Walk ist die Rücken- und Vorwärtsbewegung vermindert und man fühlt einen starken Schub jedes Hinterbeins. Der Flat Walk ist oft bequemer als der normale Schritt, weil die Wellenbewegung im Pferderücken vermindert ist. Es braucht Zeit, Praxis und Nachdenken, um diese Unterschiede in den Gängen zu fühlen, aber einmal werden Sie wissen, wie sich der einzelne Gang anfühlt und Sie werden ihn nicht mit einem anderen verwechseln, selbst wenn beide bequem sind.
Extrakt
Wenn Sie wissen, wie ein Gang aussieht, wie er klingt, wie er sich anfühlt, dann können Sie normalerweise sagen, was das Pferd gerade tut, ohne dass Sie ein Video mit Zeitlupe ansehen, um jeden einzelnen Schritt zu sehen. Lassen Sie sich nicht durch die Schrittlänge oder das Tempo eines Ganges verwirren. Das sind Qualitätsaspekte eines Ganges, aber sie sind nicht nötig, um einen Gang zu erkennen. Denken Sie daran, dass einiges an Gangkörpersprache künstlich erzeugt sein kann. Ein Pferd kann dazu neigen, beim Rack oder fleißigen Trab mit dem Kopf zu nicken und verwirrt dadurch den Betrachter, der das dem Running Walk oder Foxtrot zuordnet. Es gibt Pferde, die im Rhythmus ihres Gangs mit den Ohren flattern. Einige können ihre Ohren infolge menschlicher Einwirkung nicht ruhighalten. Ein schneller Schritt kann ein guter Paso Corto (Arbeitstempo Tölt bei verschiedenen Paso-Schlägen) sein oder von zu kurzen Hufen auf hartem Untergrund herrühren. Der Gang wird bestimmt durch das, was die Beine, die Hufe und der Körper des Pferdes zeigen, der Rest dieser Anhaltspunkte für einen Gang ist hauptsächlich der Zuckerguss auf dem Kuchen.
Autor: Lee Ziegler, 1988, überarbeitet 1997, Übersetzung: Uschi vom Hove

